Wasserunfall auf der Weser mit 81 Toten bei Veltheim (Minden)

1925 war auch das Jahr, in dem der Gedanke der DLRG nach Bückeburg kam und auch hier in die Tat umgesetzt wurde. 

Ausschlaggebend für den Aufschwung und den Neuanfang der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft war ein Unglück, welches sich hier bei uns in unmittelbarer Nähe ereignete.

Für den 31. März 1925 war im Raum Veltheim (zwischen Hameln und Minden) eine größere militärische Übung mit den Reichswehreinheiten des 3. Bataillons des 1. Regimentes 18 (mit je zwei Kompanien in Bückeburg und Hameln) und dem Ausbildungsbataillon aus Detmold angesetzt worden.

Die Mindener Pioniere hatten für den Übergang über die Weser eine Pontonfähre (Gierfähre) gebaut. Die vier Pontons waren durch Balken miteinander verbunden und mit starken Brettern belegt.

Mit Gierleine und Fährseil von über 100 Metern Länge waren sie verankert. Je zwei Pioniere an jedem Ponton überwachten die Führung der Fähre.

Während des Übersetzens wurde das Manöver "neutralisiert" und so zogen die Soldaten mit fröhlichem Gesang an das Weserufer. Nach kurzem Biwak bestiegen 164 Soldaten in voller infanteristischer Ausrüstung die Fähre. 

Die Abfahrt zum gegenüberliegenden Ufer verzögerte sich noch etwas, da noch der Bäderdampfer "Fürst Bismarck" passieren musste. Kaum war die Fähre abgesetzt, da schlugen die nachziehenden Wellen des Bäderdampfers in die wasserwärts gelegenen Pontons.

Laut schallte der Ruf über das Wasser, dass die Pontons zu sinken begannen. Der sofortige Befehl die Gierstellung der Fähre zu verringern konnte das weitere Vollaufen der Pontons nicht verhindern.

Panikartig drängten die Soldaten zur Mitte und die beiden äußeren Pontons schlugen nun vollends voll Wasser und gingen unter. Nur wenige Sekunden vergingen und die gesamte Besatzung stürzte in die Fluten der Weser.

In der Not klammerten sich die Nichtschwimmer an schwimmende Kameraden.

Auch diese konnten sich nicht helfen, denn ihre schwere Ausrüstung zog sie in die Tiefe. Schreie der Verunglückten und verzweifelte Rufe der noch am Ufer stehenden Kameraden hallten gespenstisch über das Wasser etliche der Verunglückten konnten sich retten, indem sie ihre Ausrüstung abgeworfen hatten.

In hervorragender Weise beteiligten sich Offiziere und beherzte Mannschaften am Rettungswerk. Aber auch viele Veltheimer Einwohner, die dem Manöver zugesehen hatten, taten was sie konnten.

So konnten der Fährmann Huck und der Veltheimer Einwohner Tellermann zusammen 23 junge Menschenleben retten. Selbst ein junges Mädchen, Fräulein Tellermann, konnte unter Gefährdung ihres eigenen Lebens einen Soldaten vor dem Ertrinkungstod bewahren.

Doch die rettende Hand konnte nicht allen gereicht werden. 81 Menschenleben forderte dieses Unglück!

Diese Schreckensnachricht ging um die Welt und ließ nun Behörden, Erzieher und Sportler aufhorchen.

Alle fühlten sich mitbetroffen, dass es durch die große Zahl der Nichtschwimmer und dem Mangel an Rettungsschwimmern, sowie an der schlechten Aufklärung über die Gefahren im Wasser zu einem Unglück von derartigem Ausmaß kommen konnte.

Der Reichswasserschutz, freiwillige Feuerwehren, Taucher, Pioniere und Privatpersonen beteiligten sich an den Bergungsarbeiten. Erst am 30. April konnte der letzte Tote geborgen werden.

Ein Gedenkstein am Unglücksort erinnert noch heute an die Opfer von 1925. Unserem DLRG-Kameraden Werner Kutzschbauch aus Hameln, ist es durch umfangreiche Recherchen gelungen die Namen und Standorte der Opfer festzustellen und darüber 1975 anlässlich der 50. Wiederkehr des Unglückstages im Lebensretter, dem Verbandsorgan der DLRG, zu berichten.